
Die Steiermark bringt sich als europäische Testregion für humanoide Roboter in Stellung. Der Automatisierungscluster AT Styria, angesiedelt in der Wirtschaftskammer Steiermark, führt ein internationales Konsortium an, das sich um ein Leitprojekt im EU-Forschungsprogramm Horizon Europe bewirbt. Ziel ist es, KI-gestützte, menschenähnliche Roboter unter realen Industriebedingungen zu erproben und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu den Technologien zu erleichtern. Gelingt der Zuschlag, sollen 18 Millionen Euro an EU-Fördermitteln in den Aufbau der Testregion fließen.
AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter sieht die humanoide Robotik an einem Wendepunkt: Systeme mit zweibeiniger Fortbewegung und KI-Steuerung treten zunehmend aus der Grundlagenforschung in die industrielle Praxis. Er bezeichnet KI-gestützte beziehungsweise humanoide Robotik als „zentrale Standortfrage“ und verweist auf die bestehende Basis in der Region: Die steirische Automatisierungsbranche vereint nach Clusterangaben mehr als 44.000 Beschäftigte, bis 2030 wird mit rund 10.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Aus den vorhandenen Einzellösungen sollen nun gemeinsame Anwendungen werden, die schneller in den Betrieben ankommen.
Dafür formiert AT Styria ein Bündnis aus Industrie, Technologieanbietern und Forschungseinrichtungen aus der Steiermark, Kärnten, Italien und Bayern. Beteiligt sind unter anderem Joanneum Research, die TU Graz, Magna Steyr, der Grazer Softwareentwickler DCCS sowie der Cybersecurity-Spezialist BrightFlare. Die Partner wollen humanoide Roboter in drei industriellen Pilotprojekten erproben, etwa beim Bedienen von Maschinen, beim Materialtransport oder bei der Qualitätssicherung in der Fertigung. Der oft schwierige Übergang vom spektakulären Prototypen zum verlässlichen „Kollegen“ in der Fabrikhalle soll so unter realen Produktionsbedingungen getestet werden.
Die EU-Ausschreibung für das einzige europaweite Leitprojekt zur industriellen Integration KI-gestützter Robotik öffnet dem Konsortium zufolge Ende November. Die Förderentscheidung wird für den Sommer 2027 erwartet, ein möglicher Projektstart ist für 2028 vorgesehen. Für den Fall, dass der Antrag nicht zum Zug kommt, verweisen Beteiligte wie Joanneum-Research-Geschäftsführer Heinz Mayer auf vorbereitete Alternativinitiativen. Der Hebel über Horizon Europe wäre dennoch deutlich größer: Mit der angestrebten Testregion will sich die Steiermark frühzeitig in einem Feld positionieren, das von Politik und Industrie gleichermaßen als entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gesehen wird.
Die niederösterreichische Volkspartei hat mehr als drei Jahre vor der nächsten Landtagswahl zentrale Weichen gestellt und setzt dabei konsequent auf Kontinuität. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wurde vom Landesparteivorstand einstimmig zur Spitzenkandidatin für den Urnengang Anfang Jänner 2028 nominiert. Damit vertraut die ÖVP erneut auf ihre langjährige Landeschefin, die den von ihr ausgerufenen „eigenständigen, niederösterreichischen Weg“ mit den Leitmotiven Leistung, Eigenverantwortung und Hausverstand fortführen will.
Flankiert wird Mikl-Leitner von einem weitgehend bekannten Spitzenteam. Zum siebenköpfigen Führungskreis zählen Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrat Anton (Toni) Kasser, Landtagspräsident Karl Wilfing, Klubobmann Kurt Hackl sowie Landesgeschäftsführer Matthias Zauner. Der entsprechende Beschluss zur Landesliste fiel ebenfalls einstimmig. Innerparteilich soll das Signal innerer Geschlossenheit helfen, sich frühzeitig auf ein erwartbar knappes Duell mit der FPÖ einzustellen.
Bei der Wahlorganisation kehrt die Partei zu einem Modell zurück, das in den vergangenen Monaten intern intensiv diskutiert wurde: In den Regionalwahlkreisen entscheiden wieder Vorzugsstimmen über die Reihung der Kandidaten. Eine Besonderheit ist ein Bonus von fünf Prozent für amtierende Landtagsabgeordnete, berechnet auf Basis der im jeweiligen Wahlkreis abgegebenen ÖVP-Stimmen. Der Schritt verschafft etablierten Mandataren einen spürbaren Startvorteil gegenüber neuen Bewerbern und trägt zugleich der Mobilisierungsstärke einzelner Teilorganisationen wie dem Bauernbund Rechnung.
Politisch rückt die Landespartei neben der strategischen Wahlvorbereitung in den kommenden Monaten vor allem die Themen Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Kinderbetreuung in den Vordergrund. Mit einer bereits eingerichteten Taskforce Wirtschaft sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt und Verwaltungsabläufe im Land langfristig gestrafft werden. Der Gesundheitsplan 2040+ bleibt als groß angelegtes Reformprojekt im Zentrum der Regierungsarbeit. Im Hintergrund bleibt der Druck hoch: Bei der Landtagswahl 2023 war die ÖVP auf 39,93 Prozent zurückgefallen, die FPÖ hatte 24,19 Prozent erreicht; aktuelle Umfragen deuten auf einen weiter schrumpfenden Abstand hin und lassen für 2028 ein deutlich engeres Rennen erwarten, in dem neue Mehrheitskonstellationen möglich werden könnten.