
In Wien treten mit 1. April neue Regeln für Mieterhöhungen in Kraft, die den Spielraum für Vermieter deutlich einschränken sollen. Auf Basis der vom Bund beschlossenen Mietpreisbremse dürfen Mietzinse in vielen Verträgen heuer erstmals wieder angehoben werden – allerdings nur innerhalb klar vorgegebener Grenzen. Die Stadt reagiert darauf mit einem erweiterten Service: Die städtische Mieterhilfe bietet eine kostenlose Prüfung der vorgeschriebenen Erhöhungen an.
Laut der neuen Wohnstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) sind Aufschläge nur in begrenzter Höhe zulässig. Für die meisten Altbauwohnungen sowie für Gemeindebauwohnungen ist eine Anhebung von maximal 1 Prozent erlaubt. Im frei vermieteten Segment liegt der zulässige Rahmen bei höchstens 3,3 Prozent. Der Wert für den freien Mietmarkt errechnet sich aus der Inflation, die nach den Vorgaben aber nur teilweise weitergegeben werden darf.
Die Stadt rechnet damit, dass die neuen Bestimmungen zu Unsicherheiten führen könnten – sowohl auf Seiten der Mieter als auch der Vermieter. Hanel-Torsch verweist darauf, dass es in der Folge zu unzulässigen Mieterhöhungen kommen kann. Die Mieterhilfe soll hier als Kontrollinstanz fungieren und prüfen, ob die gesetzlichen Richtlinien eingehalten werden. Mieterhöhungen sind grundsätzlich höchstens einmal jährlich gestattet und im Jahr 2026 frühestens wieder ab April möglich.
Voraussetzung für jede Erhöhung ist eine Wertsicherungsklausel im Mietvertrag. Ohne eine solche Vereinbarung sind Mietzinsanpassungen rechtlich nicht zulässig. Parallel dazu ändern sich auch die Regeln für befristete Verträge: Ist der Vermieter ein Unternehmer, müssen neue befristete Mietverträge künftig grundsätzlich auf mindestens fünf Jahre abgeschlossen oder verlängert werden. Wird eine kürzere Dauer vereinbart, bleibt der Mietvertrag zwar gültig, die verkürzte Befristung ist aber rechtlich nicht durchsetzbar.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Stillstand beginnt am Areal rund um den ehemaligen APA-Turm in Wien-Döbling eine umfassende Transformation. Die Stadt Wien, der Grundstückseigentümer BUWOG und die Street-Art-Organisation Calle Libre nutzen ein spektakuläres Kunstprojekt als Startsignal: Auf der Westfassade des 52 Meter hohen Hochhauses in der Gunoldstraße 14 entsteht in den kommenden Wochen das nach Angaben der Beteiligten größte Wandgemälde Österreichs. Das Vorhaben markiert den Auftakt zur Entwicklung eines rund 2,5 Hektar großen Areals zu einem neuen Stadtteil für Wohnen und Arbeiten.
Das Werk mit dem Titel „In Equality“ stammt vom spanischen Urban Street Artist Okuda San Miguel und umfasst rund 1.100 Quadratmeter Fassadenfläche. San Miguel beschreibt seine Komposition als von Farbe, abstrakter Geometrie und Dekonstruktion geprägt. Die Architektur des APA-Turms bilde den Ausgangspunkt, die Form des Gebäudes solle einen visuellen Dialog mit der Umgebung herstellen. Mit der farbintensiven Arbeit will der international bekannte Künstler nach eigenen Angaben eine neue, lebendige Perspektive auf den städtischen Raum eröffnen und zugleich Ungleichheiten sichtbar machen.
Das Gerüst für das Riesengemälde wird an der Westseite des Turms errichtet, die „Malzeit“ wird mit rund drei Wochen veranschlagt. Am 7. Mai soll die bunte Fassade im Rahmen eines Bürger*innen-Beteiligungsevents offiziell eröffnet werden. Die Stadt Wien, vertreten durch die MA 21 (Stadtteilplanung), und BUWOG koppeln den künstlerischen Auftakt eng an den weiteren Planungsprozess: Vor Ort sind Führungen durch das Plangebiet, Informationsstände und Expert*innengespräche vorgesehen, Interessierte können Ideen und Vorschläge für die künftige Nutzung einbringen.
Das Planungsareal im südlichen Teil des Stadtquartiers Muthgasse soll in den kommenden Jahren zu einem klimafitten Ensemble entwickelt werden, das Wohnen und Arbeiten innovativ verbindet. Vorgesehen ist unter anderem ein urbaner Platz mit großzügig gestalteten Grün- und Freiflächen als lebendiger Mittelpunkt des Quartiers südlich der Gunoldstraße. Dass das Wandgemälde ausgerechnet am ehemaligen Nachrichtenturm der Austria Presse Agentur realisiert wird, ist laut Calle-Libre-Kurator Jakob Kattner bewusst gewählt: Wo früher Nachrichten produziert wurden, solle nun eine Fassade im öffentlichen Raum eine Botschaft nach außen tragen und den Beginn einer neuen Phase der Stadtentwicklung markieren.