Mit dem neuen Fördercall „Proto-typisch NÖ“ startet Niederösterreich ein gezieltes Programm, um die Phase zwischen Forschungsergebnis und marktreifem Produkt zu verkürzen. Das Land setzt damit eine weitere Maßnahme der Wirtschaftsstrategie Niederösterreich 2030+ um und adressiert insbesondere die kritische Lücke zwischen Entwicklung und Marktumsetzung, in der viele Innovationsprojekte mangels Finanzierung stocken. „Ideen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen. Deshalb schaffen wir mit Proto-typisch NÖ einen gezielten Anreiz, damit aus Innovationen rascher marktfähige Produkte werden“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der Präsentation.
Der Call startet am 15. April 2026 und richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie an Großbetriebe mit wirtschaftlichem Schwerpunkt in Niederösterreich. Gefördert werden Entwicklung und Bau von Prototypen für neue Produkte. Die Förderschiene deckt 25 Prozent der Projektkosten ab, förderbar sind Vorhaben mit einem Volumen zwischen 20.000 und 200.000 Euro. Daraus ergibt sich ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von mindestens 5.000 bis maximal 50.000 Euro pro Projekt. Insgesamt stellt das Land für diese Ausschreibung vorerst ein Budget von einer Million Euro zur Verfügung.
Im Rahmen eines Betriebsbesuchs bei der R-Space GmbH im Office Park am Flughafen Wien-Schwechat machte Mikl-Leitner auf die neue Fördermöglichkeit aufmerksam. Das Unternehmen, das Satellitenlösungen entwickelt, mit denen Firmen neue Technologien rasch und unter realen Bedingungen im Weltraum testen können, gilt dabei als Beispiel für die Innovationskraft im Bundesland. Solche Entwicklungsschritte verdeutlichen nach Darstellung des Landes, wie zentral funktionierende Prototypen und Demonstratoren für den Weg von der Idee in die wirtschaftliche Anwendung sind – insbesondere bei technologieintensiven Geschäftsmodellen.
Die Landesregierung verbindet mit „Proto-typisch NÖ“ mehrere Ziele: Neben einer Beschleunigung der Innovationsprozesse in Unternehmen sollen Wertschöpfung und Beschäftigung im Bundesland gestärkt werden. Mikl-Leitner betont, genau der Schritt vom Konzept zum physischen Prototyp sei oft entscheidend dafür, ob aus Entwicklung wirtschaftlicher Erfolg werde. Mit der nun aufgelegten Förderung will Niederösterreich diesen Übergang systematisch unterstützen und damit seine Position als Wirtschafts- und Innovationsstandort langfristig absichern.

Im Verfahren rund um die insolvente Immobiliengesellschaft Wienwert haben erste Zeugenaussagen die Position des mitangeklagten SPÖ-Bezirksvorstehers von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, gestärkt. Vor dem zuständigen Gericht wird geprüft, ob der Kommunalpolitiker dem früheren Wienwert-Chef Stefan Gruze vertrauliche Informationen über den Standort einer geplanten Remisenerweiterung der Wiener Linien weitergegeben haben soll. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft Nevrivy in diesem Zusammenhang unter anderem Verletzung des Amtsgeheimnisses vor, gegen Gruze richtet sich der Verdacht der Untreue. Beide weisen die Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.
Kern des Anklagevorwurfs ist ein Grundstücksdeal: Gruze soll nach Darstellung der WKStA jene Liegenschaft erworben haben, auf der die Erweiterung der Remise geplant gewesen sei, und diese anschließend gewinnbringend an den städtischen Öffi-Betreiber veräußert haben. Der Stadt Wien sei dadurch ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden. Im Gegenzug soll Nevrivy laut Anklage unter anderem VIP-Tickets für Wiener Fußball-Derbys sowie für Spiele der österreichischen Nationalmannschaft erhalten haben. Zusätzlich soll die bei Nevrivy beliebte Band „Wiener Wahnsinn“ Sponsorgelder von Wienwert bekommen haben.
Als erster Zeuge der aktuellen Verhandlung trat der ehemalige Rapid-Manager und Stiefsohn Nevrivys auf. Er bestätigte die Darstellung des Politikers, wonach VIP-Einladungen zu Spielen für ihn jederzeit leicht zu organisieren gewesen seien. Nevrivy hätte „mit Sicherheit“ auch kurzfristig zu Partien kommen können, sagte der Ex-Funktionär und verwies darauf, dass er auch für Länderspiele Karten besorgen konnte. Der Bezirksvorsteher hatte bereits Ende Jänner im Zeugenstand erklärt, er halte den Vorwurf, mit VIP-Karten bestochen worden zu sein, für wenig überzeugend.
Ein weiteres Schlaglicht fiel auf das Sponsoring der Rockband „Wiener Wahnsinn“. Ein Bandmitglied schilderte vor Gericht, dass die Gelder von Wienwert nach seiner Kenntnis eins zu eins in die Produktion von Musikvideos geflossen seien. Nevrivy sei „Fan der ersten Stunde“ und über eine – letztlich abgelehnte – Kulturförderung über den Finanzbedarf der Gruppe informiert gewesen. In der Folge sei es zu einem Treffen zwischen der Band und Wienwert-Chef Gruze gekommen, bei dem das Sponsoring vereinbart worden sein soll. Welche rechtliche Bedeutung diese Kontakte im Lichte der Korruptionsvorwürfe haben, bleibt Aufgabe des Gerichts – die Beweisaufnahme in der Causa Wienwert ist noch nicht abgeschlossen.