Der Raumfahrtkonzern SpaceX unter der Leitung von Milliardär Elon Musk plant offenbar eine strategische Expansion im Mobilfunksektor. Wie die „Washington Post“ unter Berufung auf Insider berichtet, strebt das Unternehmen die Übernahme der Mobilfunktochter Boost des Satellitenbetreibers EchoStar an oder möchte alternativ deren Funknetz nutzen. Im vergangenen Monat soll Musk dazu bereits persönliche Gespräche mit Charlie Ergen, dem Verwaltungsratsvorsitzenden von EchoStar, geführt haben.
Ziel von SpaceX und der Tochterfirma Starlink ist es, satellitengestützte Sprach- und Datenverbindungen über handelsübliche Smartphones zu ermöglichen. Um dieses Vorhaben zu realisieren, hat der Konzern in den letzten Monaten bereits verschiedene US-Mobilfunkfrequenzen erworben, wobei auch Transaktionen mit EchoStar stattfanden. Die Integration von Boost Mobile würde SpaceX eine etablierte Vertriebsplattform sowie einen Kundenstamm von 7,4 Millionen Nutzern sichern.
Eine mögliche Übernahme ist jedoch an komplexe regulatorische und vertragliche Bedingungen geknüpft. EchoStar müsste für die Transaktion vermutlich die Zustimmung der Telekomkonzerne AT&T und T-Mobile einholen. Hintergrund sind bestehende Netznutzungsvereinbarungen, die im Falle eines Verkaufs von Boost Mobile mutmaßlich automatisch enden würden, was die operative Umsetzung erschweren könnte.
Parallel dazu steigt weltweit die Bedeutung der Satellitentelefonie für Standard-Smartphones, insbesondere für Gebiete ohne Netzabdeckung oder Katastrophenregionen. Während bisher meist Spezialgeräte mit direkter Sichtverbindung zum Himmel nötig waren, verschiebt sich der Markt nun Richtung Massentauglichkeit. In der Europäischen Union hat die EU bereits einen Großteil der für das kommende Jahr geplanten Lizenzen reserviert, um die sich die Deutsche Telekom sowie Telefonica, Vodafone und Orange bewerben wollen.



