Spanien steht erneut vor einer schweren Migrationskrise, während die Kanarischen Inseln derzeit einen massiven Zustrom von Migranten verzeichnen. Regionalpräsident Fernando Clavijo bezeichnete die aktuelle Situation als „absolut untragbar“. Allein am vergangenen Freitag erreichten über 1.000 Personen die Inseln im Atlantik, wobei ein Todesfall zu beklagen ist. Laut Reuters retteten Seenotrettungsdienste in den ersten sechs Novembertagen insgesamt 3.261 Migranten vor den Kanaren.
Besonders kritisch ist die Lage auf der Insel El Hierro, wo der Inselrat den sozialen Notstand ausgerufen hat. Die Nachrichtenagentur EFE berichtet, dass allein am Samstag 314 Migranten die Insel erreichten; in den vergangenen fünf Wochen kamen insgesamt über 8.000 Menschen an. Angesichts einer Gesamtbevölkerung von nur rund 12.000 Einwohnern forderte der Präsident des Inselrats gegenüber dem Sender RTVE dringend mehr Ressourcen, um die Krise zu bewältigen.
Die Atlantikroute von Westafrika gilt als eine der gefährlichsten weltweit, wobei die Überfahrten in den Herbstmonaten aufgrund günstigerer Seeconditions häufiger werden. Die aktuelle Dynamik nähert sich laut Clavijo den Rekordwerten aus dem Jahr 2024. Rettungseinsätze wurden zuletzt verstärkt in den Gewässern vor El Hierro, Gran Canaria und Lanzarote koordiniert, um die Ankommenden in den überfüllten Booten zu sichern.
Diese Entwicklung folgt auf einen schweren Zwischenfall in der spanischen Exklave Ceuta im Sommer. Am 30. und 31. Juli überquerten nach Schätzungen der Regierung in Madrid bis zu 80.000 Menschen aus Marokko die Grenzen der Stadt, in der rund 84.000 Menschen leben. Offiziellen Angaben zufolge kamen mindestens 91 Menschen ums Leben, während über 60.000 Personen innerhalb von 72 Stunden nach Marokko zurückkehrten. Ministerpräsident Pedro Sánchez betonte jedoch, dass es keine stichhaltigen Beweise dafür gebe, dass Marokko hinter diesem Massenansturm steckte.



