Häftlingstransport eskaliert: Kritik an Sporrer nach Tod in JA Hirtenberg

30.03.2026


Der Tod eines psychisch kranken Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg entwickelt sich zu einer Belastungsprobe für das Justizressort. Die grüne Justizsprecherin und frühere Ministerin Alma Zadić wirft der amtierenden Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) schwere Versäumnisse im Umgang mit dem Insassen sowie in der späteren Aufarbeitung des Falls vor. Der Mann war im Dezember 2025 nach einem außer Kontrolle geratenen Häftlingstransport verstorben; zuvor hatte er bei einer Amtshandlung in der Anstalt Verletzungen erlitten.

Aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung Sporrers geht hervor, dass bei der Verlegung des Häftlings von der Justizanstalt Stein nach Hirtenberg justizintern keine Hinweise auf dessen psychische Erkrankung übermittelt wurden. Wörtlich heißt es, Stein habe „aus Gründen der Sicherheit einen Antrag von Amts wegen auf Vollzugsortsänderung in die Justizanstalt Hirtenberg eingebracht. Darin waren keine Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung des Strafgefangenen enthalten“. Auf Basis dieses Antrags prüfte und bewilligte die Generaldirektion für den Strafvollzug die Verlegung.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik von Zadić an. Sie fragt, warum die Justizanstalt Stein psychiatrische Auffälligkeiten des Insassen verschwiegen habe, obwohl die Justizanstalt Hirtenberg über keinen stationären psychiatrischen Dienst verfügt und dies einer Verlegung dorthin entgegengestanden hätte. Aus ihrer Sicht gibt es nicht nur Unklarheiten beim Ablauf des Transports und bei der Amtshandlung in Hirtenberg, sondern auch bei der internen Informationskette und Risikobewertung.

Zusätzlichen politischen Zündstoff liefert der Umgang mit den beteiligten Bediensteten. Laut Justizministerium sind sämtliche Beamtinnen und Beamten, darunter auch ein zwischenzeitlich vorläufig suspendierter Mitarbeiter der Justizanstalt Hirtenberg, inzwischen wieder im Dienst. Sporrer verweist darauf, dass die betreffenden Beamten vorerst von Einsatz- und Kommandofunktionen abgezogen wurden. Zadić hingegen bemängelt fehlende oder unzureichende Konsequenzen und stellt die Frage nach strukturellen Lehren aus dem Todesfall, sowohl im Vollzug als auch auf Ebene des Ministeriums.

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Wiener Projekt „Orientierungshilfe“ stabilisiert Jugendliche aus zerrütteten Verhältnissen

30.03.2026


Ein vor einem halben Jahr gestartetes Wiener Präventionsprogramm für straffällige Kinder zeigt nach Darstellung der Stadt erste messbare Erfolge. Das Projekt mit dem Titel „Orientierungshilfe“ richtet sich an Minderjährige, die als sogenannte Intensivtäter gelten und regelmäßig Delikte begehen. Jugendstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) sprach bei einer ersten Bilanz von einem Rückgang der strafbaren Handlungen unter den derzeit betreuten Kindern.

Aktuell werden 14 Buben im Alter von zehn bis 14 Jahren begleitet. Ihnen stehen professionell ausgebildete Bezugspersonen als „Buddies“ zur Seite. Ziel ist es, ein weiteres Abrutschen der strafunmündigen Jugendlichen in die Kriminalität zu verhindern. Umgesetzt wird die „Orientierungshilfe“ vom Verein „Rettet das Kind“, der sich in einer städtischen Ausschreibung durchgesetzt hat.

Nach Angaben der Stadt sind in den ersten Monaten „deutliche Fortschritte“ verzeichnet worden. Vier der Kinder haben demnach seit Beginn der Betreuung überhaupt keine Delikte mehr gesetzt, wie Ingrid Pöschmann, Sprecherin der Magistratsabteilung 11 (Kinder- und Jugendhilfe), erläuterte. Zudem besuchen die meisten der betreuten Burschen wieder regelmäßig die Schule, was von der Stadt als weiteres Stabilisierungssignal gewertet wird.

Die Zuteilung der Kinder erfolgt über eine Steuerungsgruppe, in der unter anderem auch die Exekutive vertreten ist. Die enge Kooperation mit der Polizei sei „essenziell“, betonte Pöschmann. Das Gremium soll für jedes Kind ein maßgeschneidertes Betreuungsangebot entwickeln; die „Orientierungshilfe“ ergänzt dabei bestehende Instrumente der Kinder- und Jugendhilfe. Viele der teilnehmenden Kinder kommen laut Stadt aus stark zerrütteten Familienverhältnissen, teils aus einem von Kriminalität oder Drogenkonsum geprägten Umfeld.