Die steigenden Kerosinpreise, getrieben durch den Konflikt im Nahen Osten, zwingen führende europäische Fluggesellschaften zu drastischen Maßnahmen. Sowohl die Lufthansa-Gruppe als auch der irische Billigflieger Ryanair kündigten für das Jahr 2027 einen zweistelligen Anstieg der Ticketpreise an. Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte am Dienstag, dass diese Erhöhungen bereits ab dem vierten Quartal 2026 notwendig seien, um die gestiegenen Treibstoffkosten an die Kunden weiterzugeben.
Besonders unter Druck steht Ryanair, wo Chef Michael O’Leary angibt, dass eine Preiserhöhung von 20 Prozent nötig wäre, um die Kostensteigerungen vollständig aufzufangen. Da ein solches Ausmaß am Markt jedoch kaum durchsetzbar sei, rechnet das Unternehmen für das Geschäftsjahr bis Ende März 2028 mit Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro. Finanzchef Neil Sorahan warnte, dass das Ölpreisniveau in den nächsten zwölf Monaten hoch bleiben werde, weshalb das Unternehmen nun den „Gürtel enger schnallen“ müsse.
Um die finanziellen Einbußen zu begrenzen, prüft Ryanair verschiedene Sparoptionen, darunter Gehalts-Nullrunden für das Personal, Kündigungen sowie eine Überprüfung der bestehenden Flughafenverträge. Zudem soll der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Kostensenkung beitragen. Trotz dieser Herausforderungen blieb die Nachfrage nach Flügen laut Angaben beider Unternehmen bisher robust, auch wenn die Ticketpreise bereits moderat über dem Vorjahresniveau liegen.
Die Auswirkungen erreichen auch die Tochtergesellschaften, wie die Austrian Airlines (AUA). Die Fluglinie wird keine neuen Dreamliner vom Mutterkonzern Lufthansa erhalten, da die fünf Maschinen anderweitig eingesetzt werden. Aufgrund der Rekordkosten für Kerosin wurden bereits fünf Prozent der Kapazitäten im Winterflugplan 2026/27 reduziert und die Verbindung Wien-Graz gestrichen, während weitere Langstreckenverbindungen derzeit auf dem Prüfstand stehen.


