Die Mailänder Großbank UniCredit plant eine grundlegende Änderung ihrer Homeoffice-Richtlinien. Ab Januar 2027 wird der bisherige automatische Anspruch auf zehn Tage „Smartworking“ pro Monat weitgehend entfallen. Für Führungskräfte in Italien tritt diese Neuregelung bereits mit sofortiger Wirkung in Kraft. Zukünftig müssen Beschäftigte Homeoffice-Tage beantragen und begründen, wobei die Entscheidung bei den jeweiligen Bereichsverantwortlichen liegt.
Die Unternehmensleitung unter Vorstandschef Andrea Orcel rechtfertigt diesen Schritt mit dem hohen Stellenwert der persönlichen Zusammenarbeit. Laut einem Sprecher des Instituts sei der direkte Austausch entscheidend für den Wissenstransfer, die Entwicklung von Kompetenzen und die berufliche Weiterentwicklung. Insbesondere für jüngere Mitarbeiter und Berufseinsteiger sei die Präsenz im Büro essenziell, um von erfahrenen Kollegen zu lernen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.
Arbeitnehmervertreter reagieren mit scharfer Kritik auf die einseitige Entscheidung, die ohne vorherige Abstimmung getroffen wurde. Die Gewerkschaften verweisen auf die außergewöhnlichen Rekordergebnisse der Bank, die seit 22 Quartalen in Folge erzielt wurden. Im ersten Halbjahr meldete UniCredit einen Rekordgewinn von 6,3 Milliarden Euro, das beste Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte. Die Gewerkschaften betonen, dass auch Mitarbeiter, die montags und freitags im Homeoffice arbeiteten, zu diesem Erfolg beigetragen haben.
Der Streit um das Smartworking ist eingebettet in einen größeren Konflikt über die Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften kritisieren zudem Personalmangel, steigende Arbeitsbelastungen, zunehmenden Druck sowie Einschränkungen beim digitalen Lernen und geplante Ausweitungen der Filialöffnungszeiten. Während die Bank versichert, dass Flexibilität und Mitarbeiterwohlbefinden weiterhin zentrale Bestandteile ihrer Strategie bleiben, schließen die Arbeitnehmervertreter Protestaktionen aus, sollten die Entscheidungen nicht überdacht werden.



