Die steirische Energiewirtschaft sieht sich mit einer historischen Wasserknappheit konfrontiert, die zu massiven Einbußen bei der Stromerzeugung führt. Robert Zechner vom Energiekonzern Verbund berichtet, dass die Wasserführung im Jahr 2026 die schwächste in den sehr langen Betriebsaufzeichnungen der 43 Wasserkraftwerke in der Steiermark sei. Besonders kritisch stellt sich die Lage an der Mur dar, wo die Stromproduktion derzeit nur etwa die Hälfte des langjährigen Durchschnitts erreicht.
Die Daten der steirischen Hydrografie bestätigen die außergewöhnliche Situation an verschiedenen Messstellen. Am vergangenen Wochenende wurden beim Pegel Mureck an der unteren Mur sowie an der Feistritz bei Anger die niedrigsten bisher gemessenen Tagesmittelwerte unterschritten. An weiteren Stationen liegen die Abflussmengen unter dem Wert, der statistisch an 95 Prozent aller Tage erreicht oder überschritten wird, was die Schwere der Dürre unterstreicht.
Auch die Kleinwasserkraft ist massiv betroffen, wobei Branchensprecher Bernd Lippacher Produktionsrückgänge von bis zu 35 Prozent je nach Standort nennt. In extremen Fällen müssen einzelne Anlagen vorübergehend vollständig stillstehen. Für kleinere, familiengeführte Betriebe könnten mehrere solcher Trockenjahre in Folge eine existenzbedrohende Gefahr darstellen, da die Einnahmen direkt an die verfügbare Wassermenge gekoppelt sind.
Die finanziellen und operativen Auswirkungen spiegeln sich in den Quartalszahlen des Verbund-Konzerns wider. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20,2 Prozent auf 15.984 Gigawattstunden. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag mit 0,61 zudem um 39 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Lippacher sieht den Klimawandel als Beschleuniger und erwartet eine dauerhafte Veränderung der Wasserführung.



