Die Tourismusbranche in Vorarlberg steht kurz vor Beginn der Wintersaison, kämpft jedoch weiterhin mit massiven Personalengpässen. Während Hoteliers auf Saisonkräfte aus Drittstaaten setzen, wird die notwendige Saisonkontingente-Verordnung vom Arbeitsministerium in Wien noch immer nicht vorgelegt. Ursprünglich als Notlösung geplant, ist diese Regelung zur Bestimmung der erlaubten Saisonarbeitskräfte längst zum Dauerzustand geworden, wobei die Veröffentlichung laut Regierungsprogramm bereits für September vorgesehen war.
Markus Kegele, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, warnt eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen. Er betont, dass die Bewilligung und Anreise von Saisonkräften Vorlaufzeit benötigt und jede weitere Verzögerung die Situation verschärfe. Sollten Stellen unbesetzt bleiben, müssten Betriebe ihre Kapazitäten reduzieren, Öffnungszeiten kürzen oder Hotelbetten ungenutzt lassen, was unmittelbar zu Umsatz- und Wertschöpfungsverlusten führen würde.
Gleichzeitig führt der Personalmangel zu einer erhöhten Belastung für die verbleibende Stammbelegschaft sowie die Unternehmerfamilien. Kegele weist darauf hin, dass sich die anfallende Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt. Die Branche sieht sich daher gezwungen, verstärkt auf Arbeitskräfte aus Ländern wie Nepal oder Sri Lanka zu hoffen, um den Betrieb in der Hochsaison aufrechterhalten zu können.
Die Gewerkschaft vida sieht die Problematik hingegen als hausgemacht an. Landesvorsitzender Reinhard Stemmer fordert eine grundlegende Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen, statt den Mangel nur durch Kontingente zu bekämpfen. Er verweist darauf, dass Ende September in Vorarlberg 1145 Personen in Hotel-, Gaststätten- und Küchenberufen auf Jobsuche waren, was laut Stemmer ein ausreichendes heimisches Potenzial darstelle.
Stemmer kritisiert die Strategie, primär in Drittstaaten nach Personal zu suchen, während lokale Fachkräfte die Branche meiden. Er fordert die Betriebe auf, die Gründe für die hohe Fluktuation und die geringe Attraktivität der Branche zu analysieren. Ziel müsse es sein, die offenen Stellen durch attraktivere Rahmenbedingungen primär mit Arbeitssuchenden aus dem Inland zu besetzen.



